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10 Dinge, die ich beim Fjällräven Classic gelernt habe

2016 war es soweit, endlich durfte ich am Fjällräven Classic hoch im schwedischen norden teilnehmen (wie du hier lesen kannst). In Lappland lief dann doch nicht alles nach Plan. Erfahre hier die 10 Dinge, die ich bei meiner Wanderung auf dem Kungsleden gelernt habe.

 

1. Du bist nie alleine

Einer der Hauptgründe für meine Teilnahme war meine Absicht endlich mal Zeit alleine in der Wildnis zu verbringen (bissl blauäugig vielleicht?…). Schon klar, dass ich bei 2.000 Teilnehmern wahrscheinlich ab und zu einen anderen Wanderer begegnen würde, aber bei 8 Startgruppen verteilt über 3 Tage und 110 Kilometer Wegstrecke kann es schon nicht so schlimm werden, richtig? Falsch! Du wirst mit rund 300 Wanderern gleichzeitig starten und diese 300 Leute werden dich bis zum Ziel begleiten. Wanderer vor dir, Wanderer hinter dir, und dein Zelt in Einsamkeit aufstellen kannst du schon mal komplett vergessen (außer du hast am Ende vom Tag noch die Energie einen Abstecher zu machen).

 

2. Dein Tagespensum wird dich enttäuschen

Auch wenn du, wie ich, seit Wochen trainiert hast, wird dich nichts auf die Schwierigkeit der Strecke, die (schlechten) Wetterverhältnisse und das Gewicht deines Rucksacks vorbereiten. Bei meinen Trainingseinheiten habe ich (mit 14 kg Rucksack) locker 4 km die Stunde geschafft, und darauf habe ich dann auch meine Tagesetappen basiert. Dass ich tatsächlich im Durchschnitt nur ca. 2,5 km die Stunde vorankommen würde (weil ich meinen Rucksack voller Essen gepackt habe, welches ich dann nicht gegessen habe), war eine ziemliche Enttäuschung. So langsam war ich noch nie.

Klettern Singi
Klettern auf dem Weg nach Singi

 

3. Der Wind kommt aus allen Richtungen

Jeder, der schon mal im offenen Gelände Zelten war, weiß, dass man sein Zelt immer der Windrichtung entsprechend ausrichten sollte. Man will ja nicht mitten in der Nacht aufwachen, um festzustellen, dass dein Zelt gerade versucht abzuhauen und dir die Heringe um die Ohren fliegen weil sie vom Wind geradezu aus den Boden gerissen werden. Ich kann nur sagen, sei auf das Schlimmste vorbereitet. Der Wind weht im Fjäll nicht nur aus einer Richtung. Neiiiin, er kommt einfach aus allen Richtungen gleichzeitig. Die Windrichtung ändert sich ständig, was es einfach unmöglich macht eine gute Ausrichtung für dein Zelt zu finden. Mein Tipp: suche dir eine Menge großer Steine um deine Heringe extra zu fixieren. Jetzt bloß hoffen das die Zeltstangen mitmachen.

 

4. Ein ultraleichtes Sommerzelt ist ungeeignet

Dass dein Zelt einiges Aushalten sollte, möge deutlich sein. Aber nicht nur Wind, sondern auch Regen und schwankende Temperaturen machen dir und deinem Zelt zu schaffen. Das Wetter kann sich jederzeit ändern und so erlebt man im norden Schwedens regelmäßig 4 Jahreszeiten an einem Tag (ja, auch im Sommer). Mein ultraleichtes Exped Mira II HL war vom Gewicht her ideal (nur 1,5 kg), aber bei den starken Böhen (welche man im Fjäll erwarten kann) ist es mitten in der Nacht fast zusammengebrochen. Versuche da mal zu schlafen, wenn dir die Zeltdecke ins Gesicht gedrückt wird. Während der Nacht in Alesjaure sanken die Temperaturen bis unter dem Gefrierpunkt und am Morgen schneite es sogar. Im Zelt war es extrem kalt da das Material einfach nicht für solche Temperaturen und Wetterverhältnisse gemacht ist. Tue dir etwas Gutes und bringe ein sturmfestes 3-Jahreszeiten-Zelt.

Campen Alesjaure
Mein Exped Mira II HL

 

5. Du brauchst einen 3-Jahreszeiten-Schlafsack um warm zu bleiben

Nachts warm bleiben, wenn die Temperaturen unter 0°C sinken, ist eine wahre Herausforderung. Umso mehr, wenn man auf diese Temperaturen nicht vorbereitet ist. Ich hatte einen brandneuen Schlafsack mitgebracht, der bis zu -12°C aushalten sollte. Man könnte meinen, das wäre völlig ausreichend, wenn man mitten im Sommer Zelten geht (auch wenn es sich um einen arktischen Sommer handelt). Leider musste ich schon in der ersten Nacht feststellen, dass mein Schlafsack keineswegs für die „sommerlichen“ Temperaturen im Fjäll gemacht war. Hätte ich doch bloß etwas genauer hingeschaut, dann wäre mir vielleicht auch die „Komforttemperatur“ aufgefallen, die mit 7°C bedeutend weniger hermacht als die -12°C die ich mir eingeprägt hatte. Kein Wunder, dass mir kalt war.

 

6. Du wirst nasse Füße bekommen

Meine Wanderschuhe waren wasserdicht, zumindest bis ich anfing zu wandern. Was ich nicht wusste, ist dass man Flüsse durchqueren muss (da gibt’s doch überall Brücken?). Füge 5 aufeinanderfolgende Regentage hinzu und schon sind nasse Füße vorprogrammiert. Egal wie teuer deine Schuhe waren, jedes noch so gute Leder gibt irgendwann nach.

 

7. Es wird Nachts nicht dunkel

Als Kind habe ich gelernt was die Mitternachtssonne ist und dass dieses Phänomen im Juni stattfindet (nicht im August…). Dass dieses Phänomen natürlich länger andauert als nur ein paar Tage im Juni, hatte ich jedoch vergessen (verdrängt). Mach dich auf dauer-Tageslicht gefasst. Es wird zwar zwischen 23 Uhr und 2 Uhr ein wenig dunkler, aber auch dann kann man ohne Taschenlampe oder Stirnlampe prima navigieren. Empfindlichen Schläfern empfiehlt sich eine Augenmaske. Aber mal ehrlich, man ist am Ende vom Tag so erschöpft vom Wandern, dass man wirklich in jeder Situation schlafen kann.

 

8. Essen wird überbewertet

Zu Beginn des Classic’s kann man sich so viel Essen mitnehmen, wie man nur tragen kann. Und auch unterwegs ist für reichlich Nachschub gesorgt. Da braucht keiner Angst haben unterwegs zu verhungern. Aber tatsächlich alles aufessen, was man eingepackt hat, ist eine andere Geschichte. Nach dem 1. Wandertag habe ich mit letzter Kraft mein Essen gekocht und mein Zelt aufgebaut. Als das Zelt stand und mein Essen fertig war, war ich einfach zu müde zum Essen. Ich habe buchstäblich einen Bissen gegessen, bevor ich (mit Löffel noch in der Hand) eingeschlafen bin. Das Kochen war auch die darauffolgenden Tage ein Kampf, denn die Müdigkeit schlug sofort zu, sobald ich mich hinsetzte. Doch bekanntlich haben alle Nachteile auch Vorteile, und so habe ich in 5 Tagen 5 kg Körpergewicht verloren (yippie, auch wenn es nur von kurzer Dauer war).

 

9. Du wirst garantiert nette Leute kennen lernen

Beim Fjällräven Classic muss sich niemand sorgen machen, keinen Anschluss zu finden, man hat ja so vieles Gemeinsam. Bespreche deinen Rucksack („Wie schwer ist Deiner?“), deine Wehwehchen („Ich habe Blasen unter meinen Blasen.“) oder dein tiefstes Verlangen („Ich träume von einer heißen Dusche und einem warmen Bett.“). Auch das gleiche Herkunftsland sorgt bereits für reichlich Gesprächsstoff. Irgendwie sind alle Teilnehmer nett und lustig drauf, denn das passiert, wenn man mit Gleichgesinnten unterwegs ist. Kollektives Leiden schweißt Menschen nun mal zusammen.

Neue Freunde Alesjaure
Alleine gestartet, zusammen durchs Ziel!

 

10. Das Event ist der beste Start in deine Abenteuer-Karriere

Wenn du dir nicht sicher bist, ob Trekking etwas für dich ist und ob du dir sowas alleine zutraust, dann bietet der Fjällräven Classic das ideale Testumfeld. Du kannst die Sache alleine angehen (auch wenn es nicht leicht sein wird die anderen Wanderer zu ignorieren), aber du kannst dich gleichzeitig auf die Organisation im Hintergrund verlassen. Keine Sorgen darüber, wie der Trail verläuft, an welchen Ort man am besten sein Zelt aufstellt, wie viel Essen man braucht, oder „Worst Case-Szenario“ was man tun muss, wenn man in eine Notlage gerät. Für alles ist gesorgt und man kann sich voll und ganz auf das Wesentliche konzentrieren: Wandern und die Natur genießen.

Anna

Abenteuer sind meine Leidenschaft, die Natur ist mein Spielplatz!

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