Rueckblick Alesjaure

Kungsleden: alles was du wissen musst für dein Abenteuer auf dem „Königspfad“

Der Kungsleden oder „Königspfad“ in Schweden gehört mit einer Gesamtlänge von ca. 425 km zu den schönsten Weitwanderwegen der Welt. Von Hemavan im Süden von Lappland bis nach Abisko im hohen Norden kommen Naturliebhaber und Abenteurer voll auf Ihre Kosten. Der in diesem Beitrag beschriebene Abschnitt zwischen Abisko und Nikkaluokta mit einer Länge von 110 km ist zugleich der nördlichste (195 km nördlich vom Polarkreis) und beliebteste Teil des Kungsleden.

Kungsleden
Kungsleden – ©Svenska Turistföreningen

Man kann die Wanderung in Abisko oder in Nikkaluokta starten, das kommt ganz auf die persönlich Vorliebe an. Der Eine hat die Sonne lieber im Rücken, der Andere hat sie lieber im Gesicht. Egal wo du anfängst, der erste Teil der Strecke führt immer durch dichten Birkenwald, bevor es rauf auf die Hochebene, dem Fjäll geht. Hier erwarten dich 24 Stunden Tageslicht, Almwiesen, Rentierherden, Sami Hütten, Flüsse und raue Berglandschaften. Sei bereit, überwältigt zu werden – wunderschöne Landschaften, Stille und Einsamkeit garantiert.

 

Die Strecke

Der nördliche Teil vom Kungsleden ist gut markiert – Steinhaufen und rote Punkte auf Bäumen und Steinen zeigen dir, wo es lang geht. Rundum Abisko und Nikkaluokta verläuft der Weg zum Großteil durch Birkenwald. Man wandert hier auf einem meist sandigen und breiten Pfad. Im Fjäll wechseln sich dann steinige und sumpfige (teilweise mit Holzbrettern begehbar gemachte) Passagen ab, gelegentlich unterbrochen von einer eisernen Hängebrücke zur Überquerung einer der unzähligen Flüsse.

Etappen

  • Abisko – Abiskojaure: 14 km
  • Abiskojaure – Alesjaure: 22 km
  • Alesjaure – Tjäktja: 13 km
  • Tjäktja – Sälka: 13 km
  • Sälka – Singi: 12 km
  • Singi – Kebnekaise: 15 km
  • Kebnekaise – Nikkaluokta: 19 km

Die hier aufgelisteten Etappen sind die Abschnitte zwischen den Berghütten an denen du vorbei laufen wirst. So kann man diesen Teil des Kungsleden theoretisch auch ohne Zelt laufen und in den Berghütten übernachten. Es empfiehlt sich aber trotzdem immer ein Zelt bzw. Notbiwak dabei zu haben, falls die Hütte bereits voll sein sollte (es kann nämlich kein Schlafplatz reserviert werden). Die Gesamte Strecke von 110 km sollte in 5-7 Tagen zu schaffen sein, wobei 7 Tage einem natürlich am meisten Zeit bieten, um die wilde Natur so richtig zu genießen.

 

Beste Jahreszeit

Die Sommer in Lappland sind kurz und oft bleibt der Schnee noch lange bis in den Juni liegen. Die Schneeschmelze variiert jedoch von Jahr zu Jahr. Wer also auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte seine Reise zwischen Juli und September planen. Ende August wird es vor allem Nachts schon spürbar kälter und ab ca. Mitte September sperren die Berghütten bereits zu. Die (Sommer)Saison ist also kurz. Hartgesottene und erfahrene Fjällwanderer können den Kungsleden auch im Winter bezwingen – dann aber eher mit Langlaufskiern, Schneeschuhen oder per Hundeschlitten.

 

Wetter

Wer warmes Sommerwetter erwartet, wird enttäuscht werden. Hier fühlt sich der Sommer eher an wie unser Frühling oder Herbst. Im Durchschnitt wird es tagsüber nicht viel wärmer als 15°C und Nachts können die Temperaturen bis um den Gefrierpunkt sinken.  So sind Schnee und Frost im August nichts ungewöhnliches. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber Hitzewellen gehören eher zur Seltenheit. Das oftmals schlagartig wechselnde Wetter gehört aber auch zu den Herausforderungen, ja sogar Charme dieses Gebiets.

Richtung Singi
Regen auf dem Weg nach Singi

Wie heißt es doch so schön?

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.

 

Aktuelle Wetterberichte findest du hier:

SMHI, Vader Alarm, Accuweather

 

Berghütten

Der STF (Svenska Turistföreningen) oder besser bekannt als der schwedische Tourismusverband, hat bereits am Ende des 19. Jahrhunderts Schutzhütten in dieser abgelegenen Region errichten lassen. Diese Hütten gibt es bis heute und sie sind beliebter Rastplatz nach oder während einer anstrengenden Tagesetappe. Alle paar Kilometer wirst du an einer STF Berghütte vorbeikommen – meist einen Tagesmarsch von einander entfernt. Die Hütten bieten Platz zum Ausruhen müder Muskeln, zum Aufstocken des Proviants und zum Übernachten – ideal für den, der kein Zelt mit sich rumschleppen will. Jeglichen Luxus, wie Duschen oder Elektrizität sucht man in den Hütten jedoch vergeblich.

Singi
Singi

Wer vom Norden in Richtung Süden wandert, kommt an folgenden STF Berghütten/Bergstationen vorbei:

Abisko Bergstation

Abiskojaure Berghütte

Alesjaure Berghütte

Tjäktja Berghütte

Sälka Berghütte

Singi Berghütte

Kebnekaise Bergstation

Wo die Hütten recht spärlich eingerichtet sind und etwas primitiv anmuten, bieten die Bergstationen in Abisko und Kebnekaise weitaus mehr Komfort.

 

(Wild)Campen

Das Campen bzw. Wildcampen ist in Schweden (wie auch in den anderen skandinavischen Ländern) ein Recht – das „Allemansrätten“ oder auf deutsch Jedermannsrecht. Dies erlaubt es einem überall in der freien Natur zu übernachten, unabhängig davon, wem das Land gehört. Es ist aber absolut verboten, das Land zu zerstören oder zu beschädigen oder Tiere zu stören. Wer Wildcampen geht, sollte immer die Grundregel (der heilige Gral des Wildcampens) im Hinterkopf behalten: der Schlafplatz wird so hinterlassen, wie man ihn vorgefunden hat.

Es gibt natürlich auch Ausnahmen, wo das „Allemansrätten“ nicht zutrifft, wie zum Beispiel in bestimmten Nationalparks und Naturschutzgebieten. Der Abisko Nationalpark ist so eine Ausnahmen, denn hier ist es nur erlaubt an ausgewiesenen Stellen zu Zelten.

Campen Singi
Ausblick aus dem Zelt am frühen Morgen

 

Verpflegung & Wasser

Es empfiehlt sich für alle der geplanten Wandertage Essen mitzubringen – sprich Frühstück, Mittagessen und Abendessen für jeden einzelnen Tag. Die Berghütten sind zwar zum Teil bewirtschaftet, das Essen ist aber teuer und die kleinen Shops haben oft nur eine sehr beschränkte Auswahl. Am Besten kauft man sich unterwegs nur Snacks, den Rest sollte man sich schon vor der Wanderung zulegen.

Wasser gib es in dieser Region reichlich und kann bedenkenlos getrunken werden. Man sollte nicht unbedingt von stillstehenden Gewässern trinken, aber die fließende Variante eignet sich um so mehr um getrunken zu werden – ein Wasserfilter ist hier überflüssig.

 

Wildtiere

Auch wenn es in Schweden eine feste Population an Bären und Wölfen gibt, werden sie praktisch nie so weit nördlich des Polarkreises gesichtet. Das gefährlichste Tier, dass dir während deiner Tour auf dem Königspfad begegnen wird ist die blutrünstige… Stechmücke. An warmen Tagen (über 15°C) scheinen die Viecher sich explosionsartige zu vermehren und attackieren alles, was einen Puls hat. Nein im Ernst, die einzigen großen Säugetiere die dir über den Weg laufen werden sind Rentiere.

Ein paar Tipps zum Überleben in der schwedischen Wildnis findest du hier: How to survive in swedish nature

 

An- und Abreise

Egal wo du startest, Abisko oder Nikkaluokta, die meisten Wanderer reisen über Kiruna nach Lappland. Kiruna liegt ca. 1 Autostunde von Nikkaluokta entfernt und hat neben einem Bahnhof auch einen Flughafen. 2x täglich pendelt ein Bus (Linie 92) zwischen Kiruna und Nikkaluokta und auch die Anbindung mit Stockholm findet mehrmals am Tag statt, was die An- und Abreise recht einfach gestaltet.

 

Zug

Die Zuganbindungen in Schweden sind sehr gut. Von Stockholm ist man in ca. 17 Stunden mit dem Nachtzug in Kiruna oder in 18,5 Stunden in Abisko. Wer rechtzeitig bucht, kann bereits ein Bett im Schlafwagen um € 76,00 ergattern (eine Strecke). Ein Schnäppchen, wenn man überlegt, dass man bei dieser Fahrt fast 1.400 km zurücklegt – somit kann man sich über diesen Preis nicht beschweren.

Den Zug buchst du hier: www.sj.se

Flugzeug

Scandinavian Airlines fliegt im Sommer 2x täglich von Stockholm nach Kiruna und retour. Die Preise fangen bei € 200,- ( für Hin- und Rückflug) an, können aber teilweise bis zu über € 500,- steigen, wenn man spät dran ist. Wer fliegen will, sollte also rechtzeitig ein Ticket buchen.

Als Alternative kann man auch nach Narvik in Norwegen fliegen. Flüge nach Narvik sind aber auch nicht gerade billig und man muss noch eine 2,5 stündige Zugfahrt nach Kiruna (oder 1,5 Stunden nach Abisko) in Kauf nehmen.

Den Flug buchst du hier: www.flysas.com

Bus

Wer vom Flughafen Kiruna in die Stadt will, nimmt den Pendelbus. Der Bus richtet sich nach den Flugzeiten der Flüge die hier landen und starten, du solltest also immer einen passenden Anschluss finden. Die Fahrtzeiten vom Flughafenbus findest du hier: www.horvalls.se

Wer von Kiruna nach Nikkaluokta (oder umgekehrt) reist, nimmt den Regionalbus Linie 92, der 2x täglich zwischen den beiden Orten pendelt. Die Fahrtzeiten vom Regionalbus findest du hier: www.ltnbd.se

 

Unterkünfte

Neben den Schutzhütten auf der Strecke, braucht man auch Unterkünfte für die An- und Abreise. Hier findest du ein paar Beispiele.

Camp Ripan Kiruna
Camp Ripan in Kiruna

Abisko

Der „Ort“ Abisko hat nicht sonderlich viel zu bieten, außer ein paar Hotels/Hostels. Die größte Unterkunft ist wohl die STF Abisko Bergstation. Hier bekommst du ein Bett im Schlafsaal um ca. € 40,- und ein Einzelzimmer (inkl. Frühstück) gibt es ab € 107,-. Weitere Unterkünfte in Abisko findest du hier.

Kiruna

Die nördlichste Stadt Schwedens hat weitaus die meisten Unterkünfte zu bieten. Wer bei Ankunft gleich mit dem Campen anfangen möchte, ist beim Camp Ripan gut aufgehoben – ein mittelgroßer Campingplatz mitten im Ort. Ab € 23,- gibt es hier schon einen Zeltplatz. Wer aber etwas mehr Komfort benötigt, findet hier mit Sicherheit die passende Unterkunft für sein Budget.

Nikkaluokta

Nikkaluokta ist nicht viel mehr als ein Restaurant mit Campingplatz und Hütten mitten in der Natur – als „Ort“ kann man es nicht bezeichnen. Wer hier übernachten will hat nur eine Wahl, Nikkaluokta Sarri AB.

 

 

FAQ

Kann man den Kungsleden auch als Frau alleine gehen?

JA!!! Ich kann es nicht oft genug sagen! Der Kungsleden, und vor allem der nördliche Teil des Weitwanderweges, ist perfektes Solo-Wandergebiet. Man ist hier so weit weg von der Zivilisation, inmitten vom Nirgendwo, dass du keine Angst haben brauchst, dass dir etwas passiert. Natürlich sollte man als Einzelkämpfer immer ein paar extra Maßnahmen treffen die zur Sicherheit beitragen (z.B. sorge dafür, dass jemand deine Etappenplanung kennt, oder nehme einen GPS-Notfallsender mit), aber das gilt genau so für Männer als für Frauen. Und außerdem, bist du mit Sicherheit nicht die einzige Frau die gerade alleine unterwegs ist.

 

Ist der Kungsleden für Trekking-Anfänger geeignet?

Ja! Du warst noch nie auf einer Mehrtagestour mit eigenem Zelt und Proviant unterwegs? Dann bist du auf dem Kungsleden genau richtig! Die gut ausgebaute Infrastruktur bietet dir das perfekte Einsteiger-Umfeld. Ganz unvorbereitet solltest du dich aber nicht auf den Weg machen. Es empfiehlt sich das Laufen mit (schwerem) Rucksack zu trainieren und Erste Erfahrungen mit Zelten schaden auch nicht.

 

Habe ich während der Wanderung Handyempfang?

Nein. Das ist ja auch das Tolle an diesem Weitwanderweg. Man ist hier gezwungen „offline“ – gerade deswegen erlebt man die Natur noch intensiver und kann man mal so richtig abschalten.

 

Kann ich unterwegs mein Handy/Kamera/etc. aufladen?

Nein. Außer in den Bergstationen von Kebnekaise und Abisko gibt es keine Elektrizität in den Hütten. Am Besten nimmt man sich eine Powerbank und extra Akkus mit. Die Optimisten unter uns können es auch mit einem Solarpanel versuchen, aber Sonne ist hier oben im hohen Norden nicht immer garantiert.

 

Gibt es Sanitäranlagen unterwegs?

Plumpsklos gibt es bei jeder Berghütte – die Frage ob du diese nutzen möchtest ist eine Andere. Sobald du nur im umkreis von ca. 50 Meter von einem der Klos entfernt bist, hast du es schon gerochen bevor du es gesehen hast. Der Gestank von Ammoniak ist so übertünchend, dass im Busch pinkeln einen ganz neuen Wert bekommt.

Duschen und Baden macht man hier im Fluss, kalt versteht sich. Nicht unbedingt empfehlenswert wenn das Wetter nicht mitmacht. Da riskiert man schon mal lieber einen strengen Körpergeruch, als sich den A***h im Fluss abzufrieren.

 

Noch Fragen? Rein damit in die Kommentare – ich beantworte sie gerne!

Anna

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