Warum Frauen keine Angst haben sollten alleine in der Wildnis zu sein

Als kleines Mädchen habe ich viel Zeit in der Natur verbracht. Irgendwo in Nordrhein Westfalen habe ich unzählige Stunden damit verbracht durch Wälder und Felder zu ziehen, auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Meist war ich mit meinem besten Freund unterwegs, aber auch oft alleine (weil wir uns mal wieder gestritten hatten oder ich einfach in eine andere Richtung laufen wollte) – fasziniert von der Natur und alles was kreucht und fleucht. Vielleicht war es meine kindliche Ahnungslosigkeit, aber Angst vor der Natur um mich herum habe ich nie gehabt. Die Neugier war immer stärker und meine Eltern, bzw. meine Nachmittagsbetreuung haben mir allen Freiraum gelassen, die Welt zu entdecken. Etwas, wofür ich immer noch sehr dankbar bin.

Kurz vor meinem 9. Geburtstag beschlossen meine Eltern in Ihre Heimat zurückzukehren und so zogen wir nach Holland (ja ich weiß, es heißt die Niederlande). Auf einmal wurde alles anders. Wir zogen in ein Dorf am Rande einer Großstadt. Rundherum viel Natur, aber auch viel Infrastruktur. So waren die Wälder und Felder mit Rad- und Wanderwegen durchwuchert. Plötzlich wurde die Natur zu etwas Bedrohlichem. Ich durfte nicht mehr alleine in den Wald gehen, obwohl wir direkt daneben wohnten und ich am liebsten jeden Tag ein Baumhaus bauen wollte. Ich musste immer Bescheid geben wohin ich ging und es musste immer eine Freundin dabei sein. Geschichten über Männer, die im Wald kleine Mädchen auflauerten, haben zu dieser neuen Angst beigetragen. Doch war diese Angst eigentlich begründet?

Jein. Da, wo größere Menschenmengen sind, ist (leider) auch mehr Kriminalität. Das muss ich keinem erklären. Doch warum wurde die Natur plötzlich zur Bedrohung?

 

Großstadtdschungel vs. Wildnis

Seit Jahrhunderten werden Frauen, die alleine unterwegs sind bekritisiert, weil sie aus religiösen oder kulturellen Gründen nicht alleine draußen sein „sollten“. Dies gilt auch heutzutage noch für viele Länder. Sogar in angeblich sicheren Orten, die keine solche religiösen und kulturellen Regeln kennen, wie in den Niederlanden. Wer hat nicht als junges Mädchen/junge Frau gehört, dass man bestimmte Dinge nicht alleine machen sollte weil es gefährlich sei? Geh besser nicht im dunkeln alleine durch den Stadtpark, fahre nach einer Feier besser nicht alleine mit dem Fahrrad nach Hause etc. Und so fallen mir noch einige Beispiele ein.

Die Wahrheit ist, dass meine Eltern vom sozialen Umfeld beeinflusst wurden, wo noch immer der Glaube herrscht, dass Frauen (und Mädchen) nicht alleine unterwegs sein sollten, egal ob in der Natur oder in einem urbanen Umfeld. Auch wenn meine Mutter recht fortschrittlich war (sie zog mit 30 alleine in den Iran – und das schon vor 40 Jahren!), hatte die Gesellschaft einen großen Einfluss auf Ihre Entscheidungen.

Habe ich mich an die neuen Regeln gehalten? Nicht immer. Ist mir jemals etwas negatives passiert? Nein. Aber ich gebe zu, ganz unrecht hatten meine Eltern nicht. Es war die Großstadt die den Faktor „Sicherheit“ beeinflusste. Es liefen öfter komische Typen im Wald rum, weil es eben einer der wenigen unbeobachteten Plätze der Stadt war. Aber mir und meinen Freundinnen ist nie etwas passiert.

 

Stelle dich deinen Ängsten

Auch wenn ich nie einen gewalttätigen oder sexuellen Übergriff erlebt habe, bleibt eine gewisse Angst im Unterbewusstsein. Eine Angst die nur wenig Männer nachempfinden können – eine konditionierte Angst immer auf der Hut sein zu müssen. Frauen, die Zeit alleine in der Natur verbringen wollen, kämpfen eben mit mehreren Ängsten – man kämpft mit der konditionierten Angst alleine zu sein und gleichzeitig spielt die Angst, die jeder Mensch in der Natur durchlebt eine Rolle – die instinktive Angst vor den Naturgewalten und den 4-beinigen  (oder sogar 6-beinigen) „Gefahren“. Wo Männer sich nur mit letzterem auseinander setzten müssen, sind wir Frauen klar im Nachteil.

Es braucht Zeit um zu verinnerlichen, dass diese konditionierte Angst da draußen in der Wildnis keine Rolle spielt. Wer sich traut, wird merken, dass Zeit alleine in der Natur zu verbringen dich zum wesentlichen zurück bringt: hier kannst du Mensch sein, ohne Angst davor zu haben, dass es jemand auf dich abgesehen hat. Denn mal ehrlich, wenn jemand auf der Suche ist nach einem nächsten Opfer, glaubst du wirklich er nimmt sich die Mühe und platziert sich mit Rucksack etc. am A**** der Welt nur um sein Opfer aufzulauern?!  Ja ok, verrückte Typen gibt es überall, aber wie groß ist die Chance wirklich?

Je mehr Zeit man (Frau) alleine draußen verbringt, desto stärker wird man. Ich fühle mich alleine in der Wildnis wesentlich sicherer, als wenn ich mich tagsüber in einer Großstadt aufhalte. Einfach weil der Faktor Mensch weg fällt. Den Umgang mit der Natur und den Elementen kann man erlernen – das liegt ja in unserer Natur. Wie befremdlich es einem vielleicht jetzt vorkommen mag, alleine mit Rucksack und Zelt loszuziehen, so vertraut wird es nachdem man es einfach ein paar mal gemacht hat. Ein unbeschreibliche befreiendes Erlebnis, dass ich jedem (jeder Frau) empfehlen kann!

Anna

Abenteuer sind meine Leidenschaft, die Natur ist mein Spielplatz!

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