Cape Wrath Trail: alles was du wissen musst für dein Trekking-Abenteuer

370 Kilometer quer durch die schottischen Highlands, weit weg von jeglicher Zivilisation – das ist Trekking auf dem Cape Wrath Trail. Von Fort William bis nach Cape Wrath führt dich die Wanderung durch Schottlands schönste und wildeste Regionen wie Morar, Knoydart, Torridon und Assynt, ein Traum für jeden Abenteurer!

 

Die Fakten der Trekkingtour

Der Cape Wrath Trail (oder CWT) ist nicht wirklich ein festgelegter Fernwanderweg, denn es gibt weder eine feste Route noch findet man irgendwo Wegweiser. Viel mehr ist es ein Netzwerk an einander gereihten Wanderstrecken (durch teils wegloses Gelände) mit vielen Alternativrouten, die dich über 370 km durch die nordwestlichen Highlands von Fort William nach Cape Wrath führen. Straßen oder Ortschaften werden so viel wie möglich vermieden und so ist die nächste Siedlung meist mindestens einen Tagesmarsch entfernt.

 

Schwierigkeit

Der Cape Wrath Trail ist nichts für Trekking-Anfänger – hier werden sogar erfahrene Bergwanderer gefordert. Der Cape Wrath Trail kann auf keinster Weise mit den bekannten britischen Fernwanderwegen wie dem West Highland Way oder dem Great Glen Way verglichen werden – einen festen Wanderweg sucht man (teilweise) vergeblich, jegliche Beschilderung fehlt und das Handy funktioniert nur alle paar Tage auf einem Berggrat (darauf kann man sich aber nicht verlassen). Nicht umsonst wird der CWT als „Britains Toughest Trail“ bezeichnet.

Für den Cape Wrath Trail sollte man je nach Kondition und Ausdauer 15-20 Tage einplanen und jeweils bis zu einer Woche an Proviant mitführen. Aufgrund des schwierigen, oft weglosen und kräfteraubenden Geländes, ist es ratsam 1-2 Ruhetage während der Tour einzuplanen oder überhaupt nur eine Teilstrecke zu gehen. Der CWT lässt sich wunderbar in drei 1-wöchige Etappen aufteilen und eignet sich somit auch für kürzere Abenteuer.

–> Etappe 1: Fort William – Shiel Bridge/Morvich
–> Etappe 2: Shiel Bridge/Morvich – Ullapool
–> Etappe 3: Ullapool – Cape Wrath

Die größten Herausforderungen auf der Trekkingtour sind das unbeständige Wetter, das unwegsame Gelände und die Abgeschiedenheit der Route. Schottland ist ja nicht unbedingt bekannt für sein schönes Wetter – starke Windböen und Regengüsse sind keine Seltenheit, aber das macht ja auch den Charme dieser Gegend aus. Wer die Highlands kennt, weiß dass das Land ein einziger Morast ist. Vom Tal bis (fast) auf die Gipfel ist alles sumpfig. Außerdem ist die Gefahr sich zu verlaufen auf keinem anderen Fernwanderweg in Schottland so groß, wie auf dem Cape Wrath Trail. Der geübte Umgang mit Karte und Kompass ist daher ein absolutes Muss.

 

Die beste Reisezeit für den Cape Wrath Trail

Die besten Monate fürs Trekking auf dem Cape Wrath Trail sind April, Mai und Juni – die Tage sind lang, die Midges nicht da/weniger lästig und das Wetter ist oft für längere Zeit stabil (wir reden hier aber von Schottland, da sollte man für jedes Wetter bereit sein). September und Oktober eignen sich auch für die Trekkingtour, nur könnte es durch die Rotwildjagd zu Sperren von Teilstrecken kommen. Juli und August eignen sich eher nicht für diese Tour, denn dies ist die Hauptzeit der Midges – kleine, nervige Blutsauger, die dich nicht mehr in Ruhe lassen und jede Pause zum Albtraum machen.

Wer sich einer anderen Dimension an Herausforderungen stellen will, kann den CWT auch in den Wintermonaten begehen. Hierfür braucht man aber noch mal ganz andere Kenntnisse – nur geeignet für erfahrene Alpinisten.

 

Die beste Wanderrichtung

Am besten wandert man den Cape Wrath Trail von Süd nach Nord. Dies hat mehrere Vorteile – nicht nur weil der Reiseführer* für diese Richtung geschrieben worden ist, aber auch weil man während der Tour die Sonne im Rücken hat (sollte die Sonne sich in Schottland mal zeigen). Zudem wäre es schade, das spektakuläre Ende des Trails am Leuchtturm von Cape Wrath zu verpassen (bzw. in Fort William ankommen ist einfach nicht das gleiche)!

 

An- und Abreise zum/vom Cape Wrath Trail

Die An- und Abreise von/nach Fort William gestaltet sich relativ einfach. Fort William hat einen Bahnhof und eine gute Zuganbindung zu den internationalen Flughäfen von Glasgow und Edinburgh. Zusätzlich fahren täglich mehrere Busse zwischen Fort William und Glasgow, Edinburgh und Inverness. Fort William bietet reichlich Unterkunftsmöglichkeiten* – vom Campingplatz, über B&B bis zum 4Sterne-Hotel ist alles dabei.

Die An- und Abreise von/nach Cape Wrath ist etwas komplizierter da es keine öffentlichen Verkehrsmittel zum Leuchtturm gibt. Cape Wrath selber besteht nur aus einem Leuchtturm mit ein paar Nebengebäude inkl. Cafe und einer einfachen Unterkunft. Der nächste Ort ist das 11 km entfernte Durness, das vom Leuchtturm aus nur mit Minibus und Fähre zu erreichen ist. Der Minibus und die Fähre sind ausschließlich in den Monaten Mai – September aktiv und sollten am besten vorher telefonisch reserviert werden um Enttäuschungen zu vermeiden (an sonnigen Tagen ist besonders viel los und freie Plätze nicht immer garantiert). Die kleine Fähre (eher ein veredeltes Ruderboot mit Außenbordmotor) befindet sich in Keoldale am Kyle of Durness. Von dort aus kann man 3,5 Kilometer entlang einer wenig befahrenen Straße nach Durness laufen. Durness hat nicht sehr viel zu bieten, aber es gibt einen Pub, Supermarkt, Campingplatz und mehrer Unterkünfte*. Von/nach Durness fahren mehrmals täglich Busse zwischen dem Bahnhof in Lairg oder Inverness.

 

Übernachten auf dem Cape Wrath Trail

Unterkünfte sind auf dem Cape Wrath Trail spärlich gesät. Außer ein paar einfachen Unterkünften und Bothies (eine Art Schutzhütte ohne Strom und Wasser) wirst du unterwegs nichts finden. Es ist zwar möglich die Etappen so zu planen, dass man jeden Tag bei einer Bothy oder in einem Ort beendet, da die Tagesetappen dadurch aber teilweise sehr lang werden (mehr als 30 km) und Bothies gerne mal voll sind, ist dies nicht empfehlenswert. Aus Sicherheitsgründen solltest du immer ein Zelt mitführen – wenn das Wetter nicht mitspielt oder eine Verletzung auftritt ist man mitten im nirgendwo sonst ziemlich aufgeschmissen. Außerdem ist das Wildcampen in Schottland erlaubt und es wäre schade die vielen tollen Zeltplätze mit erstklassigem Ausblick zu verpassen!

Unterkünfte gibt es unterwegs (auf der Hauptroute) in Glenfinnan*, Kinloch Hourn, Shiel Bridge, Morvich, Strathcarron, Kinlochewe*, Dundonnell*, Inverleal, Ullapool*, Oykel Bridge, Inchnadamph*, Rhiconich*, Kinlochbervie* und Cape Wrath. Eine aktuelle Liste zu allen Unterkünften findest du hier.

 

Ausrüstungstipps für den Cape Wrath Trail

Für den Cape Wrath Trail gibt es einiges zu beachten – du wirst den Großteil der Tour weit weg von der Zivilisation verbringen und somit solltest du alles dabei haben, was du für ca. eine Woche brauchst. Hierbei solltest du aber immer einen Blick auf die Waage behalten, denn zuviel Gewicht im Rucksack kann dir gegebenenfalls deine Tour vermiesen (ich spreche aus Erfahrung). Ein Basisgewicht von ca. 10 kg (ohne Essen und Trinken) ist ein guter Richtwert.

Da das schottische Wetter deinem Material einiges abverlangt, sollte es auf jeden Fall eines sein: wasserdicht! Nichts ist schlimmer als mehrere Tage im Regen zu marschieren und irgendwann drauf zu kommen, dass die Regenjacke oder das Zelt doch nicht so wasserdicht sind wie erhofft. Außerdem sind Sturmböen in den Highlands keine Seltenheit, also sollte dein Zelt einiges aushalten können. Hier findest du meine Packliste für den Cape Wrath Trail.

Bei den Wanderschuhen empfiehlt sich ein robuster, hoher Leder- oder Goretexschuh, denn vor allem im weglosen Gelände braucht man die Stabilität um das Risiko auf Verletzungen durchs umknicken zu verringern. Ein solcher Schuh garantiert aber noch keine trockenen Füße. Sogar die besten Schuhe geben bei 3 Wochen Dauerregen und ständigen Sumpf- bzw. Flussdurchquerungen irgendwann nach. Ohne Gamaschen hat man sowieso nichts auf dem CWT verloren. Für wen nasse Füße kein Problem sind und wer leichtere, niedrige Schuhe bevorzugt, kann es auch mit einem Trailrunningschuh versuchen. Hierfür sollte man jedoch schon öfter mit niedrigen Schuhen auf Tour gewesen sein. Welchen Schuh du auch wählst, Hauptsache er passt dir und du kommst damit gut klar.

 

Essen & Trinken

Da es entlang dem Cape Wrath Trail nur sehr wenig Einkaufsmöglichkeiten gibt, empfiehlt es sich (abhängig von deiner gewählten Route) jeweils für eine Woche Essen mitzunehmen. Dies sollte alles beinhalten, was du so brauchst – Frühstück, Mittagessen, Abendessen und jede menge Snacks. In folgenden Orten, entlang der Hauptroute gibt es kleine Läden und Supermärkte: Shiel Bridge, Kinlochewe, Ullapool und Kinlochbervie. Außer in Ullapool, wo es einen großen Tesco Supermarkt gibt, sind die anderen Läden eher bedürftig ausgestattet. Am besten schickt man sich Essenspakete per Post, damit man nicht gezwungen ist alles vor Ort zu kaufen. Viele Unterkünfte unterwegs sind bereit ein Paket für Wanderer aufzubewahren (wie z.B. der Campingplatz in Morvich und der Campingplatz in Ullapool). Snacks bekommt man aber in jedem der Läden, auch wenn die Auswahl nicht riesengroß ist.

Wasser findet man in den schottischen Highlands reichlich, aber nicht alles was fließt, kann man auch trinken. Vor allem in Gegenden wo Landwirtschaft betrieben wird, solltest du das Wasser besser vorher filtern oder abkochen, bevor du es trinkst. Gebirgsbäche sind meistens unproblematisch, jedoch kann sich auch mal ein Tierkadaver weiter oben befinden, den man nicht unbedingt sehen kann – besser auf Nummer sicher gehen und Wasser immer filtern.

 

Highlights entlang der Route

Einer der Highlights entlang des Cape Wrath Trails ist die an der Westküste gelegene Halbinsel Knoydart, die auch bekannt ist als „Schottlands letzte Wildnis“. Knoydart ist komplett vom britischen Straßennetz abgeschnitten und daher nur per Boot oder zu Fuß erreichbar. Die raue und abgelegene Landschaft ist eine der Hauptattraktionen der Gegend und daher sehr beliebt bei Bergwanderern.

Die Falls of Glomach sind zwar nicht die höchsten, aber mit Sicherheit (einer) der spektakulärsten Wasserfälle von Großbritannien – mehr als 100 Meter stürzt das Wasser hier senkrecht nach unten. Der Wasserfall ist nicht touristisch erschlossen und somit hat man ihn ganz für sich alleine oder muss ihn höchstens mit 1-2 anderen Bergwanderern teilen. Der Abstieg (oder Aufstieg, wenn man Richtung Süden läuft) entlang des Wasserfalls ist spektakulär und nervenaufreibend zugleich – hier sollte man keine Höhenangst haben.

Wer glaubt, dass es in Schottland keine weißen Sandstrände gibt, der wird beim Sandwood Bay ziemlich staunen. Ein Tag, bevor es zum Leuchtturm und gleichzeitig Ende vom CWT geht, kommt man an dieser wunderschönen Bucht mit hagelweißem Strand an. In den Dünen finden sich viele windgeschützte Mulden, die ideale Plätze zum Wildcampen bieten.

Das absolute Highlight des Cape Wrath Trails ist der Namensgeber Cape Wrath – nicht nur durch die spektakuläre Aussicht und dem markanten, weißen Leuchtturm, sondern vor allem weil die Ankunft am Cape Wrath das Ende eines Abenteuers bedeutet. Man ist zugleich froh, dass man es so weit geschafft hat und traurig, weil das Abenteuer jetzt endgültig vorbei ist.

 

Mein Fazit zum Cape Wrath Trail

Für mich war der Cape Wrath Trail viel mehr als nur eine Trekkingtour – es sollte die größte Herausforderung meines Lebens werden, die mich an meine Grenzen bringen und mein Können unter beweis stellen sollte. Entgegen meiner Erwartungen, bin ich (fast) nicht an meine Grenzen gestoßen und habe nur mehr bestätigt bekommen, dass ich mich alleine in der Wildnis unheimlich wohl fühle. Ich bin fast ein wenig enttäuscht, dass das Wetter nicht rauer, die Tour nicht schwieriger und mein Körper nicht müder war. Doch das Gefühl das am Ende überwiegt, ist ein Gefühl der Sehnsucht… Ich will noch mal!!!

Warum sollte man sich den Cape Wrath Trail antun? Weil es einfach ein einzigartiges Erlebnis ist, Schottland zu Fuß der Länge nach zu durchqueren. Berge, Seen, Wildnis – hier kannst du tagelang laufen, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Außerdem kann man auf dem Cape Wrath Trail hunderte von Kilometer zurücklegen, ohne sich Sorgen um private Grundstücksgrenzen machen zu müssen. Schottland ist eines der wenigen Länder der Welt, das zu diesem Zweck ein Wegerecht hat. Wandern und schlafen wo du willst, das ist pure Freiheit!

 

Nützliche Informationen

Reiseführer:

Wanderkarten:

Links:

 


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Anna

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