Herbstwandern auf dem Saar-Hunsrück-Steig

Lange ist es her, dass ich in Deutschland zu Fuß unterwegs war – mindestens 17 Jahre. Als ich im Zuge des „Bloggerwanderns“ der Gastlandschaften Rheinland-Pfalz Anfang November 2018 eingeladen wurde, eine Etappe auf dem Saar-Hunsrück-Steig zu wandern, habe ich natürlich sofort zugesagt. Auf ging’s auf 25 knackigen Kilometern mit knallenden Herbstfarben und tollen Aussichtspunkten.
 

 
Ausgangspunkt für meine Tour war die schöne, kleine Burgstadt Kastellaun. Von hier aus ging es auf der Etappe 20 des Saar-Hunsrück-Steigs nach Mörsdorf, über die Hängeseilbrücke Geierlay und anschließend weiter über die Traumschleife Layensteig Strimmiger Berg bis zum Kloster Maria Engelport in Treis-Karden.

Nach einer erholsamen Nacht im urigen Landgasthof & Hotel Altes Stadttor in Kastellaun, habe ich mich am frühen Morgen in Richtung Bell auf den Weg gemacht. Kurz nach dem Start kommt man am Aussichtspunkt Hohe Buch vorbei, wo man eine wundervolle Aussicht auf Kastellaun und deren Burg hat. Weiter ging es durch den Wald, bis man im kleinen Örtchen Bell ankommt. Zu dieser Jahreszeit wirkt der Ort ziemlich verschlafen und so früh morgens an einem Feiertag trifft man nur auf Hundebesitzer die (unfreiwillig) der Kälte trotzen. Kurz hinter Bell trifft man auf den erste Steig des Tages, der Diellaysteig. Anders als in den Alpen, benötigt man für diesen Steig kein Klettersteigset (und auch sonst nirgends auf dem Saar-Hunsrück-Steig). Der Steig ist gut ausgeschildert und mit Stahlseilen gesichert, damit jeder sicher hinunter ins Bachtal findet. Jetzt geht die Tour gefühlsmäßig erst richtig los, denn dieses Bachtal werde ich (außer ein paar kurze Abstecher auf angrenzende Hügel) bis kurz vorm Ziel nicht mehr verlassen.
 

 
Der Herbst zeigt sich hier von seiner besten Seite – buntes Laub so weit das Auge reicht. In Österreich hingegen haben die Bäume bereits ihr Laub verloren, daher genieße ich diese Farbenpracht umso mehr. Je weiter ich den Bach folge, werde ich das Gefühl nicht los, zurück in die Zeit gereist zu sein. Immer wieder stoße ich unterwegs auf Ruinen aus vergangenen Zeiten – von alten Mühlen und römischen Siedlungen, bis zu Burgen, wie die Burgruine Balduinseck. Infotafeln klären auf über Nutzung und Geschichte und so genießt man hier nicht nur die wunderbare Natur, sondern erfährt auch noch etwas über Land und Leute.

Diese Jahreszeit eignet sich besonders gut für eine Wanderung auf dem Saar-Hunsrück-Steig – mal abgesehen von der immensen Farbenpracht ist die Temperatur angenehm frisch und daher ideal zum Wandern. Ein weiterer Vorteil ist, dass nur wenig Menschen auf dieser Tour unterwegs sind und sogar an Feiertagen (wie z.B. der 1. November) trifft man nur auf eine handvoll Menschen (meist in vierbeiniger Begleitung).

Nach ca. 2,5 Stunden komme ich bei der Burgruine Balduinseck an. Die Ruine bietet einen idealen Rastplatz für müde Wanderbeine. Es lohnt sich hier eine Pause einzulegen und die Geschichte der Burg zu erkunden. Die Burg ist ganzjährig öffentlich zugänglich (kostenlos) und kann auch mit dem Auto besucht werden. Allmählich nähere ich mich Mörsdorf und es wird spürbar unruhig im Wald. Ich höre Menschenstimmen, aber sehe niemanden. Dann auf einmal taucht über mir die beeindruckende, 360 m lange Hängeseilbrücke Geierlay auf. Der Saar-Hunsrück-Steig verläuft direkt unter der Brücke hindurch und somit ergibt sich die ideale Gelegenheit für einen abenteuerlichen Abstecher. Wenn man schon mal da ist…

Die Hängeseilbrücke ist über einen insgesamt 5,5 km langen Rundweg, die Geierlayschleife zu erreichen. Oben angekommen wurde mir dann doch etwas mulmig – das ist ganz schön hoch! Die Brücke hängt knapp 100 m über dem Talboden und je weiter man zur Mitte der Brücke wandert, umso wackeliger wird das Ganze. In der Mitte war dann endgültig Schluss für mich. Am Berg habe ich nur äußerst selten Probleme mit der Höhe, aber so über einem „Abgrund“ zu hängen, war dann doch sehr ungewohnt. Die Aussicht war jedoch wirklich spektakulär und ich kann jedem diesen Nervenkitzel empfehlen (auch wenn man, wie ich ein bisschen bammel hat).
 

 
Knappe 8 Kilometer lagen ab jetzt noch vor mir. Mittlerweile hatte sich aber Regen durchgesetzt, wodurch ich einfach nicht mehr so gut voran kam als vorher. Das dichte Blätterdach sorgte jedoch dafür, dass ich einigermaßen geschützt war. Bei einer Weggabelung verabschiedete ich mich dann endgültig vom Saar-Hunsrück-Steig. Ab jetzt ging es für mich weiter auf der Traumschleife Layensteig Strimmiger Berg. Der Trubel rundum der Geierlay war eindeutig vorbei – absolute Stille. Ich war wieder ganz alleine im Wald. Nach ca. 2 Stunden war auch der letzte Teil meiner Wandertour geschafft. Ich gebe es zu, ich war froh als ich endlich im Kloster ankam. Die letzten Kilometer waren dann doch ein wenig mühsam – nicht weil die Strecke schwierig war, aber 25 Kilometer spürt man in den Beinen, egal wie gut trainiert man ist.
 

 
Mein Etappenziel war auch gleichzeitig meine Unterkunft für die Nacht. Für mich als nicht-gläubige Person ein interessantes Erlebnis, das alltägliche Leben in einem Kloster miterleben zu können. Die Schwestern und Priester sind sehr freundlich und interessiert. Man hat die Möglichkeit die Messen beizuwohnen, muss dies aber nicht. Ich habe mich nach meiner Wanderung erst mal eine heiße Dusche gegönnt, bevor ich gemeinsam mit den anderen Hausgästen zum Abendessen gegangen bin. Vom Essen sollte man nicht allzu hohe Erwartungen haben – die Mahlzeiten bestehen aus sättigender, aber einfacher Kost. Moderne Techniken wie TV oder Internet sucht man hier ebenfalls vergeblich, aber deswegen kommt man ja auch nicht hierher. Das Kloster ist ein angenehmer Ort der Besinnung und Ruhe (egal ob man gläubig ist oder nicht) und bietet sowohl Wanderern als auch Pilgern eine angenehme Übernachtungsmöglichkeit.
 

Fazit
Die Etappe 20 des Saar-Hunsrück-Steigs und die Verlängerung über die Traumschleife hat mich wirklich positiv überrascht. Obwohl die Strecke nur unweit von kleinen Orten verläuft, hat man die meiste Zeit das Gefühl mitten im Nirgendwo unterwegs zu sein. Wer hatte gedacht das Deutschland noch so schöne, unberührte Flecken zu bieten hat?! Ich komme auf jeden Fall wieder!
 

Nützliche Links

Saar-Hunsrück-Steig
Der Saar-Hunsrück-Steig führt auf 410 Kilometern und 27 Etappen vom saarländischen Perl an der Mosel über Idar-Oberstein und den Hunsrück bis nach Boppard am Rhein sowie über einen Abzweig zur Römerstadt Trier.
www.saar-hunsrueck-steig.de

Hängeseilbrücke Geierlay
Die 360 Meter lange Hängeseilbrücke Geierlay bei Mörsdorf schwingt sich 100 Meter über den Boden.
www.geierlay.de

Traumschleife Layensteig Strimmiger Berg
14 Kilometer und 465 Höhenmeter – Verschlungene Pfade, naturbelassene Bachtäler sowie drei in den Weg integrierte Klettersteige (können umgangen werden) in luftigen Höhen versprechen Wandergenuss auf höchstem Niveau.
www.saar-hunsrueck-steig.de/traumschleifen/layensteig-strimmiger-berg

Hotel-Landgasthof Altes Stadttor
www.altesstadttor.de

Kloster Maria Engelport
www.kloster-engelport.de

 

Die Tour zum Nachwandern

Anna

Abenteuer sind meine Leidenschaft, die Natur ist mein Spielplatz!

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